Ganzheitlichkeit

Die frühkindliche Förderung muss sich in erster Linie daran orientieren, was Kindern gut tut, was ihrem Alter und ihren Bedürfnissen entspricht.

Was wir mit unserem Ansatz vermeiden wollen ist die lineare Förderung von Teilbereichen wie z.B. des kognitiven Bereichs der kindlichen Entwicklung. Mit einem ganzheitlich orientierten Lernangebot können mehrere Bildungsbereiche gleichzeitig abgedeckt werden, was jedoch nicht ausschließt, dass ein jeweils ein Bereich dabei schwerpunktmäßig gefördert wird.

Was konkret unter ganzheitlicher Erziehung und Bildung zu verstehen ist soll im Folgenden anhand eines konkreten Projektbeispiels dargestellt werden:

Wir backen mit den Kindern
Zunächst sieht dies für den Betrachter nach einer einfachen hauswirtschaftlichen Tätigkeit aus. Dennoch werden hier durch geplantes pädagogisches Handeln alle Bildungsbereiche angesprochen:

Bewegung
Die Kinder tragen die notwendigen Materialien herbei und räumen sie später wieder auf. Wie viel kann ich tragen, ohne dass etwas herunter fällt? Wie vorsichtig muss ich gehen?
Beim Spülen des benutzten Geschirrs lernt das Kind wichtige Bewegungsabläufe. Mehl sieben -eine anspruchsvolle Tätigkeit bei der die Bewegungsabläufe beider Hände gut koordiniert sein müssen. Ei aufschlagen: Wie fest oder vorsichtig muss ich vorgehen? Erst mit häufiger Wiederholung und einem entwickeltem Feingefühl wird dies gut gelingen! Wie bewegt sich das flüssige Ei in der Teigmasse? Wie fließt es aus der Schale? Teig kneten – eine hervorragende Übung für die Handmotorik

Sprache und Kommunikation
Alle Zutaten und Arbeitsmittel werden benannt, Arbeitsabläufe sprachlich begleitet. Durch das Rezept wird erste Erfahrung mit Schriftsprache gesammelt. Die Kleingruppe wird während der Backaktion im Gespräch sein z.B.
über die Tätigkeit, aber sicher auch über einzelne Vorerfahrungen.
Die Verbindung zwischen Sprechen und Handeln unterstützt die Merkfähigkeit und damit den Spracherwerb.
Durch das Spiel „In der Bäckerei“ wird alles erlernte und bekannte zu diesem Themenzusammenhang aktiv angewendet und Neues dazu gelernt

Körper, Gesundheit und Ernährung
Kinder erfahren bei dieser Aktion z.B. etwas über die Zusammensetzung und Beschaffenheit einzelner Lebensmittel. Welches Mehl tut uns gut? Warum ist das so? Was unterscheidet verschiedene Mehlsorten? Wie ist das mit dem Zucker? Welche Fette sind gesund? Gute Anknüpfungspunkte für Gespräche über gesunde Ernährung.    

Mathematische Bildung
Zum Backen gehört unweigerlich das Abmessen von Mengen, das Zählen von Eiern etc. 
Wie kann ich messen? Was brauche ich dazu? Wie sieht die entsprechende Zahl in der Backanleitung aus? Wieviel verbirgt sich tatsächlich hinter den Angaben? Und finde ich diese auf dem Messbecher wieder? Wie viele Eier sind es, wenn noch 4 hinzukommen? Usw. Grundlegende Kenntnisse der Mathematik sind im Vorschulalter kaum besser zu verinnerlichen. 

Medien
Durch ein Rezept z. B. in einem Kinderkochbuch oder entsprechend gestalteten Rezeptkarten wird den Kindern zum einen der praktische Nutzen hiervon, sowie der angemessene Umgang mit diesem Medium bekannt und geläufig.
Ganz bestimmt wird das fertige Produkt fotografiert und kann gemeinsam am PC bearbeitet und später angeschaut werden.

Musisch-ästhetische Bildung
„Oh, es riecht gut“, „In der Weihnachtsbäckerei“ oder „Zeigt her eure Füsse“ sind nur einige Lieder, die passend zum Inhalt allein oder in der Gruppe gesungen oder später mit Instrumenten begleitet werden können. Kinder lieben es eigene praktische Tätigkeiten mit Singen zu verbinden. Und beim Dekorieren oder Gestalten des Gebäcks sind ästhetische Grundsätze zu beachten oder Muster zu kreieren, denn: Das Auge ist mit. 

Naturwissenschaftlich-technische und ökologische Bildung
Sachwissen über die eingesetzten Zutaten wie Mehl, Eier, Milch u.s.w.
Wo kommen die Zutaten her? Wo kaufe ich sie ein? Wissen über ökologische Zusammenhänge kann entsprechend mit einfließen. Wer stellt Gebäck her? Welche Nahrungsmittel braucht unser Körper?
Wie schmecken die Zutaten, das fertige Gebäck. Wie riecht es und wie fühlt es sich an? Interesse für einen Ausflug in die Bäckerei wecken.
 
Religion und Ethik
Rezepte aus den verschiedenen Ländern werden probiert und besprochen. Wo isst man diesen Kuchen? Wer wohnt da? Welche Zutaten sind uns unbekannt?  

soziale, kulturelle und interkulturelle Bildung
Das gemeinsame Tätigsein stärkt soziale Kompetenzen. Dies betrifft sowohl das Backen an sich als auch ein sich bestimmt anschließendes Spiel: „In der Bäckerei“. Kinder aus den verschiedensten Nationen, mit unterschiedlicher Muttersprache „arbeiten“ gemeinsam am Backwerk und finden Wege der Kommunikation und Verständigung.   
Stärken können zum Wohle der Gruppe genutzt und hervorgehoben werden. Die Kinder lernen voneinander und sich selbst einzuschätzen.

Während der gesamten Tätigkeit werden bei allen Kindern in den einzelnen Bildungsbereichen wichtige Wahrnehmungserfahrungen, soziale Beziehungen, Beziehungen zur sachlichen Umwelt, innere Verarbeitungsvorgänge, forschendes Lernen sowie der Umgang mit Komplexität und Lernen in Sinnzusammenhängen gefördert und gezielt angeregt.

Vorgefertigte Vorschulmappen und Arbeitsblätter alleine ohne praktisches Handeln können diese Lernmöglichkeiten nicht bieten. Hier werden einzelne Arbeitsblätter zu bestimmten Themen bearbeitet. Die Kinder sitzen mit Schere, Kleber und Stiften am Tisch und bearbeiten in Einzelarbeit das jeweilige Arbeitsblatt nach Anweisung. Die Backzutaten aus unserem Beispiel blieben auf eine Darstellung reduziert. Sie werden ausgeschnitten, in der richtigen Reihenfolge sortiert aufgeklebt. Welch vielfältige Lern- und Lebenserfahrung hier versäumt werden, zeigt sich, wenn wir nur die Bereiche Bewegung und Sprache betrachten.
Bewegung reduziert sich auf Ausschneiden und Aufkleben, Sprache auf Verstehen von einer Arbeitsanweisung.

Unsere Antwort kann deshalb nur heißen: Lernen bei den „Deichmäusen“ heißt grundsätzlich ganzheitliches Lernen. Die alleinige ergebnisorientierte Arbeit an Arbeitsblättern ohne vorheriges praktisches Tätigsein, das Arbeiten nach Schablonen oder das Prikeln von einheitlich vorgefertigten Motiven in der Gruppe wird es bei uns losgelöst aus dem ganzheitlichen Kontext nicht geben. Auch hier gilt: Der Prozess der Tätigkeit zählt in der kindlichen Entwicklung mehr als das Ergebnis.


Pädagogische Arbeit - Ganzheitlichkeit
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